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Bhutan

Ein Königreich zwischen Tälern, Festen und Gebetsfahnen

In Bhutan gehört die Tracht zum Arbeitstag. Gho und Kira, dazu roter Bergreis und gesalzener Buttertee, dazu Täler, die hoch liegen und weit auseinander. Jedes hat seine Klosterburg, seinen Dialekt und sein Fest, und wenn die Maskentänze beginnen, kommt das ganze Tal zusammen.

  • Ema Datshi, Chilischoten in geschmolzenem Käse, ist das Nationalgericht. Chili gilt hier als Gemüse.
  • Bogenschießen ist Nationalsport: 145 Meter bis zur Scheibe, dazu die Spottverse der Zuschauerinnen.
  • Beim Tshechu tanzen Mönche in Masken im Hof der Klosterburg, im Morgengrauen wird das Rollbild entrollt.

Klima

Langjährige Mittel, Thimphu. Quelle: en.wikipedia.org
MonatJanuarFebruarMärzAprilMaiJuniJuliAugustSeptemberOktoberNovemberDezember
Höchstwert in Grad Celsius151719222527272726242017
Tiefstwert in Grad Celsius-2048121517161593-1
Sonne in Stunden am Tag8,0 Stunden7,0 Stunden8,0 Stunden8,0 Stunden7,0 Stunden6,0 Stunden5,0 Stunden5,0 Stunden5,0 Stunden7,0 Stunden8,0 Stunden7,0 Stunden
Regentage im Monat1146914191712501

Bhutan im Porträt

Bhutan ist ein Land, das seine Küche scharf mag. Ema Datshi steht auf fast jedem Tisch: grüne oder rote Chilischoten in geschmolzenem Käse, das Nationalgericht. Chili gilt hier als Gemüse. Dazu roter Bergreis, die einzige Reissorte, die in dieser Höhe wächst, nussig im Geschmack und Grundlage jeder Mahlzeit, dazu Momos und Phaksha Paa, getrocknetes Schweinefleisch mit Rettich und Chili. Wer zu Besuch kommt, bekommt Suja: Buttertee aus Teeblättern, Butter und Salz, im hölzernen Fass geschlagen. Die Schale wird nach jedem Schluck wieder aufgefüllt. In dieser Höhe ist das Fett Brennstoff.

Männer tragen den Gho, einen knielangen Wickelrock, mit dem Gürtel Kera gebunden, und der Stoff wirft vorn eine große Tasche, in der Papiere, Telefon und Proviant verschwinden. Frauen tragen den Kira, ein rechteckiges Webstück, an beiden Schultern mit silbernen Koma-Spangen gehalten, darunter die Bluse Wonju, darüber die kurze Jacke Toego. Wer in einer Behörde oder einer Schule arbeitet, trägt Gho oder Kira, so steht es seit 1989 im Gesetz, und die Kleiderordnung Driglam Namzha ist viel älter.

Zorig Chusum heißen die dreizehn Künste, geordnet unter Gyalse Tenzin Rabgye im späten 17. Jahrhundert: Weben, Malen, Holzschnitzen, Papierschöpfen, Schmieden, Bambusflechten und sieben weitere. Die berühmteste ist das Weben. In Khoma im Distrikt Lhuentse sitzen Frauen am Rückengurtwebstuhl und legen mit einer Zusatzschusstechnik namens Trima Muster über den Grundstoff, Faden um Faden. An einem aufwendigen Kushuthara weben sie Monate, an den kompliziertesten ein ganzes Jahr.

Bogenschießen ist seit 1971 Nationalsport, gespielt wird in fast jedem Dorf, traditionell mit Bogen aus Bambus. Die Scheibe steht 145 Meter entfernt und misst 91 Zentimeter in der Höhe, 28 in der Breite. Dreizehn Schützen je Mannschaft, zwei Pfeile pro Durchgang, 25 Punkte zum Sieg. Das Lauteste am Platz sind aber die Frauen: Sie singen, tanzen und ziehen die gegnerischen Schützen mit Spottversen und Gesten aus der Ruhe.

Die großen Feste heißen Tshechu, wörtlich zehnter Tag, nach dem zehnten Tag des Mondmonats. Sie gelten Guru Rinpoche, und Mönche und Laien tanzen im Hof seine acht Erscheinungen, in Masken, in schweren Kostümen, stundenlang. Im Morgengrauen wird das Thongdrel entrollt, ein haushohes Rollbild aus aufgenähtem Stoff, dessen Anblick von Schuld reinigen soll. Ein Tshechu ist der Tag, an dem Dörfer zusammenkommen, die sonst ein Pass trennt.

Getanzt wird im Dzong. Jedes Tal hat eine solche Klosterburg, weiß gekalkt, mit nach innen geneigten Mauern und einem roten Band unter dem Dach. Die eine Hälfte der Räume gehört der Verwaltung des Distrikts, die andere den Mönchen. Gebaut wurde ohne Bauplan, die Dächer traditionell ohne einen einzigen Nagel.

Gebetsfahnen hängen an Pässen und Graten, fünf Farben für Himmel, Wind, Feuer, Wasser und Erde, und der Wind trägt die Wünsche weiter. Ausgeblichene Fahnen nimmt niemand ab.

Gesprochen wird Dzongkha, die Sprache der Burg, seit 1971 Nationalsprache. Familiennamen gibt es außerhalb der Königsfamilie keine: Zwei Namen wählt bei der Geburt der Lama des Ortes. Geerbt wird meist über die Töchter, das Haus bleibt bei ihnen, und der Mann zieht zu seiner Frau. Und weil die Täler tief liegen und die Pässe hoch, läuft vieles davon von Tal zu Tal ein wenig anders. Thimphu liegt auf 2310 Metern, Paro auf 2406, Punakha auf 1236. Der Weg dazwischen führt immer über einen Grat, und oben hängen wieder Fahnen.

Im März 2027 reisen wir selbst nach Bhutan, und das Datum ist kein Zufall: Genau in diese Zeit fällt das Paro Tsechu, eines der größten und farbenprächtigsten Klosterfeste des Landes. Wir werden mit den Menschen aus dem ganzen Tal am Rinpung Dzong stehen, wenn die Mönche in ihren Masken zu den Klängen von Trompeten und Trommeln tanzen, und im Morgengrauen dabei sein, wenn das riesige Thongdrel entrollt wird. Ein Fest, das man nicht nur ansieht, sondern mitten in dem man steht.

Bhutan nennt sich selbst das Land des Glücks. Seit den 1970er-Jahren misst das Königreich seinen Fortschritt nicht am Bruttoinlandsprodukt, sondern am Bruttonationalglück, dem Gross National Happiness: Wohlergehen, Kultur, Umwelt und gute Regierungsführung zählen hier so viel wie die Wirtschaft. Man spürt das im Alltag, in der Ruhe, mit der man uns begegnet, und in einem Land, das sein eigenes Tempo geht, auch wenn die Welt draußen schneller wird.

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